Sie möchten Ihre Fenster selber einbauen? Gute Nachricht: Mit dem richtigen Werkzeug, etwas Sorgfalt und dieser Anleitung ist das absolut machbar. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie unsere Monteure ein zweiflügeliges Kunststofffenster im Neubau fachgerecht montieren – nach dem anerkannten Stand der Technik. Im Video sehen Sie jeden Handgriff, hier lesen Sie alle Schritte in Ruhe nach.
▶ Zum Video: Fenster einbauen im Neubau | Stand der Technik
Sie bauen im Altbau mit Anschlag ein? Dann lesen Sie unsere Altbau-Anleitung.
Für die Fenstermontage gibt es keine eigene Norm – aber den Montageleitfaden der RAL-Gütegemeinschaft und des ift Rosenheim, den anerkannten Stand der Technik. Er folgt dem Ebenenmodell mit drei Zonen in der Anschlussfuge:
Merksatz: Innen dichter als außen. Wenn Sie dieses Prinzip einhalten und den Rahmen umlaufend befestigen, machen Sie beim Fenstereinbau nichts falsch.
Alles Nötige finden Sie in unserem Montagezubehör-Shop. ▶ Werkzeugübersicht im Video ansehen (ab 0:10)
Bevor es losgeht, ein Blick auf die Einbauluft – also den Abstand zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk. Die Fuge muss breit genug sein, damit das Kompriband arbeiten kann und Bauwerksbewegungen aufgefangen werden. Richtwerte für weiße Kunststofffenster mit Kompriband:
| Elementlänge bis ca. 1,5 m | Mindestfugenbreite ca. 10 mm |
|---|---|
| Elementlänge bis ca. 2,5 m | Mindestfugenbreite ca. 15 mm |
| Elementlänge bis ca. 3,5 m | Mindestfugenbreite ca. 20 mm |
Farbige oder folierte Profile dehnen sich stärker aus und brauchen etwas mehr Luft. Wichtig: Das Kompriband muss zur tatsächlichen Fugenbreite passen – kontrollieren Sie den Einsatzbereich auf der Verpackung.
Zum Einbauen kommt nur der Rahmen in die Öffnung – die Flügel würden stören und wiegen ordentlich. Schrauben Sie die Griffolive an den Flügel, drehen Sie sie in die waagerechte Stellung, ziehen Sie den Achslagerstift (Bolzen) am oberen Scherenlager und hängen Sie den Flügel aus. Sicher abstellen, beim zweiten Flügel genauso.
▶ Schritt 1 im Video ansehen (ab 0:45)
Legen Sie den Rahmen auf Böcke und kleben Sie das Multifunktionsdichtband rundum auf – es übernimmt die äußere Abdichtung der seitlichen und oberen Fuge. Darauf kommt es an:
▶ Schritt 2 im Video ansehen (ab 2:00)
Stellen Sie den Rahmen in die Rohbauöffnung – zu zweit geht das deutlich entspannter. Drücken Sie ihn ein Stück nach oben und platzieren Sie auf beiden Seiten Unterlegklötze. Dann wird ausgerichtet:
Profi-Moment aus dem Video: Expandiert das Kompriband zügig, klemmt der Rahmen schon von allein im Mauerwerk – dann brauchen Sie nicht einmal Montagekissen. Waage und Lot trotzdem immer nachkontrollieren.
▶ Schritt 3 im Video ansehen (ab 4:30)
Das ift Rosenheim empfiehlt, den Rahmen umlaufend zu befestigen – also nicht nur seitlich, sondern auch unten und oben. Gerade bei breiten Elementen hat der Rahmen sonst nicht genug Stabilität:
| Mindestabstand zur Innenecke | ca. 150 mm |
|---|---|
| Max. Abstand der Befestigungspunkte (Kunststofffenster) | ca. 700 mm |
| Empfehlung bei großer Fensterbreite | mind. 1–2 zusätzliche Schrauben unten und oben |
So gehen Sie vor: 150 mm aus den Ecken anzeichnen, dazwischen gleichmäßig verteilen. Beim Kunststofffenster bohren Sie mit dem HSS-Bohrer durch die Stahlarmierung im Rahmen. Profi-Tipp: Die Stahlspäne danach mit einem Magneten aus dem Rahmen holen – sonst gibt es später unschöne Rostflecken. Legen Sie im unteren Bereich zusätzliche Unterlegklötze direkt neben die Bohrungen, damit Sie den Rahmen beim Festziehen nicht verziehen. Im Betonsturz oben müssen Sie vorbohren, bevor die Montageschraube eingedreht wird.
Keine Sorge wegen der Bohrungen unten: Sie bohren in der wasserführenden Ebene hinter der Dichtung – dort kann kein Wasser in die Konstruktion eindringen.
▶ Schritt 4 im Video ansehen (ab 5:30)
Unten am Fensterbankanschluss kleben Sie die äußere Fensteranschlussfolie. Vorher das überstehende Kompriband mit dem Cuttermesser bündig an der Unterkante des Rahmens abschneiden und im Bereich des Anschlussprofils sauber wegstemmen – nur so kommt die Folie ordentlich in die Ecke. Dann:
▶ Schritt 5 im Video ansehen (ab 7:30)
Jetzt kommt die Funktionsebene: Feuchten Sie den Baukörper mit der Sprühflasche leicht an – Montageschaum und Folienkleber härten mit etwas Feuchtigkeit besser aus. Schäumen Sie die Fuge satt aus. Danach kleben Sie die innere Abdichtungsfolie mit Folienkleber auf den Baukörper. Damit ist die luftdichte Ebene innen geschlossen – und die Regel „innen dichter als außen" erfüllt.
▶ Schritt 6 im Video ansehen (ab 9:00)
Setzen Sie das Eckband des Flügels auf das Ecklager, schieben Sie den Flügel in den Rahmen und drücken Sie den Achslagerstift ein. Zum Schluss die Details, die den Unterschied machen:
▶ Schritt 7 im Video ansehen (ab 9:45)
Diese Frage lesen wir ständig unter unseren Videos – und die Antwort ist: beides, aber für unterschiedliche Aufgaben. Montageschaum ist Wärmedämmung, keine Abdichtung. Er füllt die Fuge und dämmt Wärme und Schall, ist aber weder dauerhaft luftdicht noch schlagregendicht. Das Kompriband dichtet die Fuge außen gegen Schlagregen ab, die Folie innen gegen Raumluftfeuchte. Wer nur schäumt, riskiert Zugluft, Tauwasser in der Fuge und langfristig Schimmel – einer der häufigsten Montagefehler überhaupt. Also: Kompriband außen, Schaum in der Mitte, Folie innen. Genau in dieser Kombination arbeiten auch unsere Monteure.
Werkzeug, Kosten & Technik: Das Wichtigste auf einen Blick.
Grundsätzlich jeder – der Fenstereinbau ist nicht meisterpflichtig, im eigenen Haus dürfen Sie selbst montieren. Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen: Wenn Sie eine staatliche Förderung (z. B. KfW/BEG) nutzen möchten, muss ein Fachunternehmen einbauen. Und bei vermieteten Objekten oder im Neubau mit Gewährleistungsansprüchen ist der Fachbetrieb ebenfalls die sichere Wahl.
Je nach Region, Fenstergröße und Aufwand liegt die Montage durch den Fachbetrieb meist bei 150 bis 400 Euro pro Fenster inklusive fachgerechter Abdichtung. Beim Selbereinbauen sparen Sie diese Kosten – investieren dafür pro Fenster etwa ein bis zwei Stunden Zeit plus Material (Kompriband, Folie, Schaum, Schrauben: ca. 30–50 Euro).
Das ift Rosenheim empfiehlt die umlaufende Befestigung – und wir schließen uns an. Bei kleinen Fenstern können Sie im Einzelfall abwägen, bei breiten Elementen führt kein Weg daran vorbei: Der Rahmen hat sonst schlicht nicht die nötige Stabilität. Mindestens 1–2 Schrauben unten und oben sollten Sie immer setzen.
Nein. Die Verschraubung sitzt in der wasserführenden Ebene hinter der Dichtung. Regenwasser, das in den Falz gelangt, wird über die Wasserschlitze kontrolliert nach außen abgeführt – es erreicht die Bohrungen gar nicht.
Das Kompriband expandiert je nach Temperatur unterschiedlich schnell – im Sommer deutlich zügiger. Kleben Sie es deshalb erst kurz vor dem Einsetzen auf und stellen Sie den Rahmen zügig in die Öffnung. Kleiner Nebeneffekt, wenn das Band schon arbeitet: Der Rahmen klemmt von allein und Sie können in Ruhe ausrichten.
Neue Fenster einbauen ist kein Hexenwerk – wenn Sie sauber arbeiten und die Grundregeln einhalten: passende Einbauluft, umlaufend befestigen, Ebenenmodell beachten, innen dichter als außen. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Fensterproduktion geben wir unser Montagewissen gerne an Sie weiter. Alle Grundlagen finden Sie auch auf unserer Seite Fenster einbauen. Und wenn Sie noch das passende Fenster suchen: Bei uns erhalten Sie Ihr Kunststofffenster nach Maß direkt vom Hersteller – inklusive aller Montagematerialien.